Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen testen Barrierefreiheit - ein Pilotvorhaben mit der Elbe-Werkstätten GmbH

, von Detlev Fischer (Kommentare: 0)

Das Projekt Team Usability und der Partner Elbe-Werkstätten GmbH planen gemeinsam die Ausbildung von Teilnehmern im Berufsbildungsbereich des Betriebsstättenverbundes Elbe ReTörn. Elbe ReTörn begleitet ca. 120 Teilnehmer an drei großen Standorten und in zwei Außenarbeitsgruppen in den Hamburger Stadtteilen Harburg, Altona und Wandsbek. Das angesprochene Berufsfeld sind PC-Anwendungen, Büro- und Digitalisierungsarbeiten.

Das Ziel des neuen Pilotvorhabens: Menschen zu befähigen, auf unterschiedliche Weise die Barrierefreiheit und Gebrauchstauglichkeit (Usability) von Webseiten, Apps und IT-Anwendungen zu testen.

Barrierefreiheit ist ein zunehmend wichtiges Qualitätsmerkmal von IT – von öffentlichen Websites, eGovernment-Services, mobilen Apps bis hin zu Intranet-Anwendungen. Barrierefreiheit von IT bedeutet, dass solche Angebote auch von Menschen mit Behinderungen selbstständig genutzt werden können. Dazu gehören z.B. blinde oder sehbehinderte Menschen, Menschen mit motorischen Einschränkungen, gehörlose Menschen, Menschen mit kognitiven Einschränkungen und selbstverständlich auch Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Aber auch für nicht behinderte Menschen, zum Beispiel ältere Menschen oder Nicht-Muttersprachler, ist Barrierefreiheit ein großer Vorteil.

Für die Barrierefreiheit von IT gibt es eine Reihe von klaren technischen Anforderungen. So etwa, dass sich alle Inhalte und Funktionen auch ausschließlich mit der Tastatur – also ohne Maus – benutzen lassen, oder dass Überschriften und Beschriftungen Inhalte und Funktionen verständlich beschreiben. Diese Anforderungen lassen sich überprüfen. Es existieren etablierte Testmethoden, zum Beispiel der BITV-Test für die Überprüfung von Websites, oder das Matterhorn-Protokoll (PDF) zur Überprüfung von PDF-Dokumenten.

Grundsätzlich bietet der Berufsbildungsbereich einer Werkstatt Menschen, die nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung finden

  • eine angemessene berufliche Bildung und Qualifizierung
  • den Erhalt und die Entwicklung, Erhöhung oder Wiedergewinnung der Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit
  • eine Hilfestellung beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

So wird eine Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen erreicht.

Die Elbe-Werkstätten und das Projekt Team Usability wollen zusammen ausloten, ob die Überprüfung der Barrierefreiheit und Nutzbarkeit von IT-Angeboten für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein geeignetes Berufsfeld sein kann. Wie kann eine Qualifizierung in einer Gruppe aussehen, deren Teilnehmer höchst unterschiedliche Einschränkungen haben? Wie können sinnvolle und produktive Arbeitsabläufe im Team aussehen? Welchen Unterstützungsbedarf gibt es hier, wie kann die Qualität eine Prüfung wirksam gesichert werden? Und welche Möglichkeiten ergeben sich für Teilnehmer für den Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt?

Das Vorgehen in diesem Pilotvorhaben ist explorativ. Die einzelnen Schritte werden vom Projekt und den Elbe-Werkstätten sorgfältig geplant, umgesetzt und reflektiert. Wir hoffen, so allgemeine Empfehlungen für den Aufbau von Arbeitszusammenhängen im Bereich Überprüfung von Barrierefreiheit zu entwickeln und damit langfristig die Beteiligung Betroffener an der Sicherstellung von gesellschaftlicher Teilhabe zu verbessern.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 6 und 5?